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Religion

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Sozialer Tag

Die Premiere fand am 19.6.2018 statt: „Sozialer Tag" – eine Aktion der Klasse 8b. Die Idee dazu entstand im Religionsunterricht beim Thema „Helfend Handeln" zusammen mit Erfahrungen von Jugendlichen, die sich ehrenamtlich engagieren. Zu dem Vorschlag, sich einmal in einer Einrichtung helfend einzubringen statt die Schulbank zu drücken, gab es große Zustimmung und so wurde recht kurzfristig mit dem „Segen" der Schulleitung die Idee in die Tat umgesetzt.
20 von 28 Schülerinnen und Schülern suchten sich umgehend ein Betätigungsfeld. Das Spektrum reichte von Kindergarten, Grundschule und Einrichtungen der Lebenshilfe über Häusliche Pflege, Gärtnerei des Parzival Hofs und Hortbetreuung bis zur Unterstützung eines Pferdehofs in Notlage. So unterschiedlich die Aufgaben auch waren, einstimmig war das positive Feedback zu dieser Aktion, das an einer Stellwand im Altbauflur dokumentiert wurde.
Insgesamt macht das Ergebnis Lust auf mehr - vielleicht einmal eine ganze Woche Zeit und Aufmerksamkeit spenden, Erfahrungen sammeln und dabei die Perspektive auf das Leben wechseln? Die Klasse hat dafür eine Menge Argumente gesammelt.

Andrea Denker

"Reli" war vielleicht noch nie so wichtig wie heute –  aus drei Gründen.

Erstens lernen Schüler die Welt zu verstehen: Anders als viele erwarteten, wurde die Welt zuletzt nicht säkularer. Im Gegenteil: Religion ist so wichtig geworden, dass die Oxforder Politikwissenschaftlerin Monica Toft schon "Gottes Jahrhundert" ausrief. Da geht es nicht nur um Terror und Konflikt; in Deutschland hat sich etwa der Habitus des öffentlichen Diskurses spiritualisiert: Man schaue sich nur den Hashtag #prayforberlin an, unter dem selbst die SPD nach dem Anschlag am Breitscheidplatz twitterte. Dass Religion auch ein Schlüssel ist zu Geschichte und Kultur, versteht sich von selbst.

Zweitens hilft "Reli" den Schülern, sich selbst zu erkennen. Irgendwann stellt sich jeder Schüler die großen Fragen, die Fanta 4 in diesen Refrain packten: "Wo gehen wir hin? Wo kommen wir her? Was ist der Sinn? Ist da noch mehr? Gibt’s da ’nen Tunnel? Ist da ein Licht? Ich weiß es nicht." Ein Ethiklehrer muss diese Fragen rein religionswissenschaftlich beantworten: Die einen glauben das, die anderen das. Doch reicht reine Wissensvermittlung bei so existenziellen Fragen aus? Braucht es nicht gerade hier ein Bekenntnis? … Daran können sich Schüler festhalten oder reiben, in jedem Fall aber wachsen. … Wer sich selbst kennt, kann sich selbst erkennen – und dann aufgeklärt und tolerant auf andere Religionen zugehen.

Drittens erfüllt sich durch "Reli" der ganze Bildungsauftrag der Schule. Es ist zu wenig, wenn Schulen nur Wissen vermitteln oder aufs Berufsleben vorbereiten. Ihr Auftrag ist auch: Herzensbildung. Kann man sich eine herzensbildende Schule vorstellen, die religiös unmusikalisch ist? Eine Schule, in der Schüler Integralrechnung, subjonctif und die Merkmale von H2SO4 und Homöoteleuta pauken, aber keinen Platz haben für Glauben, Zweifeln und Verzeihen, Irren und Ratlosigkeit?

Doch was ist mit den Widersprüchen, die "Reli"-Kritiker aufführen? Wieso lässt ausgerechnet ein neutraler Staat Religionen in seine Schulen? "Der freiheitliche säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann" – dieser viel zitierte Satz des Staatsrechtlers Ernst-Wolfgang Böckenförde bedeutet: Ohne einen ethischen Konsens kann ein Staat nicht überleben; zu diesem Konsens tragen Religionen viel bei. Der Befund wurde zu Recht als "Böckenförde-Paradox" bezeichnet. Die Widersprüchlichkeit … hat eine einfache Ursache: die Geschichte eines Landes, in der Religion seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle spielt. Die Wirklichkeit ist kein beliebig konstruierbares Physik-Experiment. In diese Geschichte, an die sich Deutschland (im Lutherjahr) 2017 besonders erinnert, gehört "Reli" – als selbstbewusstes, wichtiges Schulfach.
Quelle: Manuel J. Hartung (in:  DIE ZEIT Nr. 3/2017, 12. Januar 2017, gekürzt)


 
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